2026|Sibratsgfäll|Österreich
Bauaufgabe: Sanierung
Am Waldrand von Sibratsgfäll wird ein Wohnhaus aus den 1970er-Jahren in seiner Eigenwilligkeit weitergedacht. Ausgangspunkt ist die skurrile Eigenart des Bestandsgebäudes: ein schweres, weit ausgreifendes Vordach, dunkle Holzverkleidungen und ein Spiel mit unterschiedlichen Raumhöhen, deren räumliches Potenzial bislang nicht zur Geltung kam. Der Umbau übersetzt diese Eigenheiten in neue architektonische Qualitäten. Das massive Vordach weicht einer klaren, selbstbewussten Form. Eine Blechhaut legt sich über Dach und Schmalseiten des Hauses und bildet eine schützende Hülle für die fein geschindelten Holzfassaden. Es entsteht ein eigenständiger Ausdruck, der die Besonderheit des Hauses bewahrt, ohne sie zu kopieren.
Im Inneren werden die vorhandenen räumlichen Potenziale neu geordnet und bewusst inszeniert. Die unterschiedlichen Raumhöhen und Galerien rücken dorthin, wo sie ihre Wirkung entfalten können: in die Wohnräume. Durch den Abbruch einzelner Decken entstehen überhohe Räume, die insbesondere dem Wohnbereich und der Werkstatt, in der die Bauherrin großformatige künstlerische Arbeiten aus Holz anfertigt, eine neue Großzügigkeit verleihen.
Jeder Raum erhält einen eigenen Giebel, dessen weich gerundete Übergänge eine schützende, fast skulpturale Raumfigur bilden. Feine Farbabstufungen und eine präzise handwerkliche Ausführung verleihen den Räumen jeweils einen individuellen Charakter. Das Zusammenspiel von unterschiedlichen Raumhöhen, Farben, gezielten Öffnungen und Ausblicken in die umgebende Berglandschaft schafft abwechslungsreiche Raumsequenzen – von offenen, großzügigen Bereichen bis hin zu intimeren Rückzugsorten.
Der Umbau versteht den Bestand nicht als Einschränkung, sondern als Ausgangspunkt für etwas Eigenständiges. Aus vorhandenen Eigenheiten werden räumliche Qualitäten – und aus einem Haus mit skurrilem Charakter ein unverwechselbarer Lebens- und Arbeitsraum.